- – —Das Stück / Geschichtliches über die Bleichi— – -

MORSCH

EIN FASSADENSTÜCK BEI DER ALTEN BLEICHE APPENZELL

 

Die ‚Alte Bleiche‘ in ein paar Jahren. Da die Eigentümer keine Verwendung mehr hatten und der Unterhalt zu aufwändig geworden war, verkauften sie die geschützte Liegenschaft zu günstigen Bedingungen an die Gemeinde Appenzell. Seither liegen die Gebäude brach und verwahrlosen zunehmend. Die Nutzung ist umstritten. In jüngerer Zeit hat ein Baukonsortium mit chinesischen Investoren ein Projekt vorgelegt. Im Gebiet rund um die ‘Alte Bleiche’ ist ein luxuriöses Ferienresort mit zahlreichen Neubauten geplant. Die ‚Alte Bleiche‘ soll renoviert und zum Repräsentationsbau der Überbauung werden, zum Herzstück mit Réception, Bar, Roulette und Wellness.  Gemeindehauptmann Tanner, der das Projekt unterstützt, hat bereits eine Umzonung des Grundstücks zwischen ‚Alter Bleiche` und Sitter durchgebracht. Nun geht es darum, dass die Gemeinde die Liegenschaft an die Investoren verkauft. Gemeinderätin Ebneter hingegen möchte die ‚Alte Bleiche` in ein Hospiz für gehobene Ansprüche umfunktionieren. Weder Ferienresort noch Sterbehaus der Luxusklasse findet eine ungestüme Seniorenbande und besetzt die morschen Gebäude kurzerhand. Die altehrwürdige Liegenschaft soll der Allgemeinheit erhalten bleiben. Die wilden Alten, die in jungen Jahren zusammengewohnt hatten, bringen mit ihrer spontanen Aktion nicht nur Dorf und Behörden in Aufruhr. Sie sehen sich auch mit ihrer eigenen Situation, mit ihrer Vergangenheit und ihrem Älterwerden konfrontiert. Ein unerwarteter Gast wird für die Gemeinschaft zur Belastungsprobe. Schliesslich erwacht die ‚Alte Bleiche‘ zu neuem Leben.

 

Nov. 2021/am

Adrian Meyer

 

 

Geschichtliches über die Bleiche

Die Bleiche war früher (im 16. Jahrhundert) die Stickersmühle. Konrad Sticker war bis 1545 Müller in der Bleiche, der Gebäudekomplex trug damals schon den Namen Bleiche.

1628 gehen Bleiche, Stampfe, Walke und Mühle in den Besitz von Jakob Wyser. Er war erfolgreich, gegen 12‘000 Tücher werden in der Bleiche gebleicht. Landammann Wyser kaufte von den Obrigen die Bleiche und betreibt erfolgreich Mühle, handelt mit Korn, Wein und Salz und führt den Landwirtschaftsbetrieb. Er baut das alte Wohnhaus aus, grosse Eckstube mit Kassettendecke.

Bleiche ist ab 1803 im Besitz der Familie Rusch und Haas. Anna Maria Antonia Manser (Bleicheammereieli) heiratete Ratsh. Johann Baptist Gregor Rusch. Dieser verstirbt sehr früh. Von seinen fünf Söhnen überlebt Floridus und übernimmt mit 23 Jahren die Bleiche. 1842 Floridus investiert in Mobilien und Liegenschaften, wird grösster Grundbesitzer Innerrhodens. Bleiche erlebt Glanz und Floridus ist ein reicher Mann (Er soll eine Million Franken hinterlassen haben.)

Im August 1846 setzte ein Hochwasser den Gebäulichkeiten arg zu. Anstelle der zerstörten Mühle wird eine Sägerei eingerichtet. 1872 verkaufen die Söhne von Floridus einander die Bleiche. Schlussendlich übernimmt sie Josef Anton Alois Rusch und betreibt Landwirtschaft, Sägerei, Bäckerei und Kornhandel.

1904 Josef Anton Rusch trennt die Bleicheheimat, Sohn Albert Alois Rusch übernimmt die Landwirtschaft und baut ein eigenständiges Bauernhaus. Alte Bleiche geht an Josef Anton Benedikt Rusch-Gmünder.

1908 zerstört ein Hochwasser einen Grossteil der Sägereibauten, diese werden geschlossen. Säge wird abgebrochen, Kanal und Tüchelros (Weiher) werden ausgefüllt.

1945 geht die Bleiche an die Brüder Josef Anton Albert Rusch und Josef Walter Rusch über. Blächi Anton betreibt bis in die 60 Jahre die Holzofenbäckerei, Walter führt ein Transportunternehmen.

1976 Titus Haas-Steffen, der Neffe der kinderlosen Vorgänger, (seine Mutter war die Schwester der Gebrüder Rusch, nämlich Cäcilia Haas-Rusch) übernimmt die Alte Bleiche. Titus Haas führte eine Bäckerei-Konditorei in Zürich und am Wochenende belebten sie die Alte Bleiche eine Zeit lang mit einer Pizzeria jeweils über das Wochenende.

2014 geht die Neue Bleiche (Landwirtschaft) ins Eigentum von Rosmarie Neff-Rusch über.